Wer ist Yve und warum macht sie das alles?

Mein Lebenslauf beginnt auf den ersten Blick recht "normal" mit Schulabschluss und solider Ausbildung im öffentlichen Dienst. Alles andere als geradlinig setzte sich jedoch der Weg fort mit diversen Jobwechseln in den unterschiedlichsten Bereichen, vielen Umzügen und noch mehr Reisen. Psychologisch betrachtet offensichtliche Zeichen für eine gewisse Rastlosigkeit und das Fehlen von Wurzeln. Da verwundert langjährige Beziehungsunfähigkeit 

dann auch schon nicht mehr. Vieles habe ich erlebt auf meinem Weg durch dieses 39- jährige Leben; wundervolle Erfahrungen gab es ebenso wie sehr schmerzliche Verluste und Krankheiten; längst habe ich nicht alles verstanden geschweige denn überwunden. Aber ganz langsam erkenne ich, dass ich auch einiges gefunden und über mich selbst gelernt habe. Ich begreife, dass wir die Antworten auf unsere Fragen in uns tragen und das Leben unglaublich ist.


Einmal durch die Hölle und zurück, spätestens dann wird einem klar, dass es "mehr" gibt im Leben.

 

Unsere moderne Welt ist so ein schwieriger Ort... Voller unendlicher Möglichkeiten und doch fühlen wir uns oft gefangen, bisweilen verloren, hilflos und unverstanden auf unserem Lebensweg. Wir hören kaum noch auf unsere innere Stimme, wir vertrauen unserer ureigenen Kraft und Intuition nicht mehr. So sehr entfernt haben wir uns von der Natur und von Gemeinschaft; wir verlieren uns im Alltag unseres schnelllebigen und industrialisierten Lebens... Und bei jedem äußern sich diese Defizite anders; viele überdecken sie mit Ablenkungen, aber einige finden kein Ventil für ihre verzweifelten Sehnsüchte und verkümmern innerlich.

 

Während der zahlreichen Reisen mit meinem Sohn und in Zeiten, in denen ich mich intensiv mit mir selbst beschäftigen musste, fand ich viele Schlüssel, die ich jetzt erst langsam begreife, zu nutzen. Und diese würde ich gern mit Gleichgesinnten teilen und erfahren. Und folgender Beitrag von Lissa Rankin, den ich frei übersetzt habe, zeigt, dass es doch eigentlich so einfach ist:

 

 

"Als ich die Q'eros Menschen in Peru fragte, ob jemand in ihrem Dorf mit Depressionen oder Angst zu kämpfen hatte, verstanden sie meine Frage nicht, daher gab ich ihnen ein Beispiel: Während ich dort war, begab sich eine Frau zur Geburt. Ich wollte ihr gern helfen, da ich Frauenärztin bin, aber sie sagten mir, dass Q'eros Frauen ihre Babys sogar ohne Hebamme in ihren Hütten bekommen. Ich sagte, dass ich verstand. Am nächsten Morgen erfuhr ich, dass das Baby tot geboren wurde.
Also fragte ich die Menschen- was ist nun mit dieser Frau? Sie hat gerade ihr Baby verloren. Das könnte doch eine Depression auslösen? Sie sahen immer noch verwirrt aus. Nein, sagten sie. Die Gemeinschaft wird eine Zeremonie für die Frau abhalten. Sie wird die Gelegenheit bekommen, zu weinen und zu trauern. Sie wird von all denen gehalten werden, die sie lieben. Sie wird ihren Verlust nicht alleine tragen müssen. Totgeburten passieren und diese Menschen akzeptieren einfach, dass solche Dinge geschehen.
Ich sagte ihnen, dass Frauen in den USA nach dem Verlust eines Kindes oft so schwere Depressionen bekommen, dass sie Selbstmord begehen wollen. Die Q´eros haben dieses Wort nicht verstanden. Was war Selbstmord? Nachdem ich es ihnen erklärte, sagten sie, niemand in Q'eros habe sich je das Leben genommen. Aber sie wussten von einer anderen Frau - eine Q'eros-Frau, die das Dorf verließ und in die Slums von Cusco zog. Im Ghetto hatte sie kein Dorf. Sie hatte kein Geld. Ihre Kinder hatten nichts zu essen. Sie verlor ihren Lebenssinn, wurde sehr traurig und einsam, und eines Tages fand man sie tot, umgeben von ihren Kindern. Sie hatte sich umgebracht.
Das brachte mich zum Nachdenken. Haben wir eine Kultur geschaffen, die Depressionen nährt? 
Sicher, die moderne Gesellschaft verführt und verwöhnt uns mit ihrem Komfort. Sicherlich haben wir vieles, was die Q'eros nicht haben- Strom, heißes Wasser, spülende Toiletten, iPhones, Computer, Matratzen, große Häuser, eine riesige Vielfalt an Lebensmitteln, die wir nicht selbst anbauen müssen und Zugang zu moderner Medizin, die vielleicht das totgeborene Baby hätten retten können.
Und doch strahlen diese Menschen eine Freude aus, die ich nicht erklären kann. Sie haben viel weniger als wir, aber sie sind dennoch viel glücklicher. Die Kinder verbrachten einen gesamten glücklichen Tag nur damit, Drachen steigen zu lassen, die sie aus Plastikbeuteln und Holzstücken gemacht hatten. Freude ist immer mit den Q'eros, auch im Angesicht von Verlust und Ungewissheit, die uns taumeln lassen würde.
Ich versuche nicht, eine Kultur zu romantisieren, die mit harter Realität gefüllt ist. Ich schlage nicht vor, dass wir alle 16.000 Fuß in die Anden ziehen und in winzigen Steinhütten leben sollen, die von Bränden ohne Belüftung erwärmt werden. Ich möchte nicht sagen, dass wir die moderne Medizin durch schamanistische und spirituelle Heil- oder Pflanzenmedizin eintauschen sollen.
Aber ich glaube, wir sind zu weit gegangen... Bei der Entwicklung unserer Technologien und der Suche nach Komfort haben wir etwas viel Kostbareres verloren - jenes Gefühl der Verbindung zu etwas, das größer ist als wir, das Gefühl der Zugehörigkeit, ein gemeinsamer Sinn, der über das Überleben hinausgeht in die schiere Lebensfreude. Ich glaube, wir können das zurückfordern. Es ist nicht zu spät..."

 

Was in unserer Gesellschaft fehlt, ist die Gemeinschaft. Verbindung. Miteinander und füreinander Raum und Unterstützung zu schaffen, für Schönes, aber auch für Trauer, Verzweiflung und ungünstige Lebensumstände. Stattdessen verschließen wir uns, setzen ein tapferes Gesicht auf, abgeschnitten von unseren wahren Gefühlen und schlagen uns durch, bis uns all das Aufgestaute in uns, krank macht.

 

 

Wir müssen es fühlen, um es zu heilen.

Und von denen gehalten werden, die uns lieben.